Wie oft Yin Yoga pro Woche? Was dein Gewebe und dein Nervensystem dazu sagen
Zwei- bis dreimal die Woche, sagen die einen, täglich die anderen — mit Quelle steht das nirgends. Warum die Frage zwei Antworten hat: Dein Nervensystem antwortet noch am selben Abend, dein Bindegewebe fast gar nicht.
19. August 2026 · 18 Minuten Lesezeit

Die Frage kommt selten mitten in der Stunde, sie kommt danach, beim Zusammenrollen der Matte, und meistens klingt sie ein bisschen entschuldigend: Wie oft müsste ich das eigentlich machen, damit es was bringt? Ich weiß, dass in dem Moment eine Zahl erwartet wird, und ich fange trotzdem fast jedes Mal mit einer Gegenfrage an — nämlich, was du eigentlich meinst, wenn du „was bringt“ sagst.
Wenn du im Netz nach einer Zahl suchst, findest du welche, und zwar reichlich: zwei- bis dreimal die Woche, ein- bis zweimal, so oft wie möglich, am besten täglich, und täglich sei völlig unbedenklich, weil ja keine Muskeln beansprucht würden. Wenn ich mir angucke, was da so geantwortet wird, steht fast nie eine Quelle dabei. Ich hab jedenfalls keine gefunden. Das heißt nicht, dass die Zahlen falsch sind. Die sind halt geschätzt, und keiner kann nachprüfen, woran.
Was sich dagegen belegen lässt, ist etwas anderes, und ich finde es die ehrlichere Antwort: In einer Yin-Stunde passieren zwei Dinge gleichzeitig, die in völlig verschiedenen Zeitmaßen laufen. Das eine antwortet dir noch in derselben Stunde. Das andere antwortet, wenn man den Messungen glaubt, über Jahrzehnte kaum. Je nachdem, welches von beiden du meinst, ist „wie oft“ eine ganz andere Frage.
Dein Nervensystem antwortet noch am selben Abend
Das Schnellere ist das, wonach die meisten eigentlich fragen, auch wenn sie Beweglichkeit sagen.
Eine Arbeitsgruppe aus Lettland hat 48 Frauen zehn Wochen lang begleitet — 38 von ihnen übten einmal pro Woche zwei Stunden Yin Yoga online, zehn bildeten die Kontrollgruppe. Gemessen wurden zwei verschiedene Sachen: die Angst als momentaner Zustand und die Ängstlichkeit als überdauernde Eigenschaft. Das Ergebnis finde ich in seiner Schlichtheit ziemlich abgefahren. Der Zustand sank nach jeder einzelnen Einheit, und er sank auch im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bei der Eigenschaft ließ sich zwischen den Gruppen kein Unterschied absichern — sie ging in der Yogagruppe zwar zurück und stieg bei den anderen an, aber nicht deutlich genug, um daraus was zu machen (Somere u. a. 2024).
Ich mag diesen Befund, weil er so gut beschreibt, was auf der Matte tatsächlich passiert. Du kommst mit einem bestimmten Zustand rein und gehst mit einem anderen raus, und das war bei den Frauen in dieser Untersuchung beim ersten Mal genauso wie beim zehnten. Wer aber erwartet, nach zehn Wochen ein grundsätzlich anderer Mensch zu sein, wird eher enttäuscht, jedenfalls in dieser Messung. Marianne Bentzen beschreibt in ihrer „Neuroaffektiven Meditation“ dasselbe von der anderen Seite her, und momentan lebe ich das Buch sozusagen. Ein Zustand lässt sich einladen, eine Eigenschaft nicht — so lese ich es jedenfalls.
Die Grenzen der Studie muss man dazu wissen. Es waren ausschließlich Frauen aus Lettland, die Stichprobe ist klein, und die Kontrollgruppe hat schlicht gar nichts gemacht. Ob der Effekt am Yin Yoga hing oder daran, dass diese Frauen mitten in der Pandemie überhaupt regelmäßig etwas miteinander getan haben, kann diese Untersuchung nicht auseinanderhalten — das schreiben die Forschenden selber so.
Ein Teil der Teilnehmerinnen hatte übrigens eine diagnostizierte Angststörung. Dass ihr Zustand sich nach einer Yin-Stunde messbar besserte, macht Yin Yoga nicht zur Behandlung. Wenn Angst dein Leben bestimmt, gehört da jemand dazu, der das behandelt. Yin kann daneben stehen, nicht davor.
Für die Frage nach der Häufigkeit folgt daraus was sehr Praktisches. Wenn du übst, weil du danach anders atmest, anders schläfst oder abends nicht mehr so aufgedreht bist, dann ist jede einzelne Einheit ihr eigener Zweck. Sie muss sich nicht summieren, um sich zu lohnen. Zweimal in der Woche ist dann besser als einmal, und zwar aus einem ganz unspektakulären Grund: Du kommst eben zweimal in diesen Zustand statt einmal. Da baut sich nichts auf, das zählt einfach doppelt.
Warum das Ankommen in diesem Zustand bei manchen Menschen erst mal überhaupt nicht klappt und der Körper stattdessen zappelt, hab ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben: Warum kann ich im Yin Yoga nicht stillhalten?
Dein Bindegewebe antwortet fast gar nicht
Stell dir vor, du ziehst nach fünfzehn Jahren aus einer Wohnung aus und räumst den Keller leer. Die Kartons ganz hinten hast du seit dem Einzug nicht mehr angefasst. Die stehen noch genau so da, wie du sie damals hingestellt hast.
Eine dänische Forschungsgruppe um Katja Heinemeier hat sich zunutze gemacht, dass die oberirdischen Atombombentests der fünfziger und sechziger Jahre den Kohlenstoff-14-Gehalt der Atmosphäre kurz hochgetrieben und danach langsam wieder haben absinken lassen. Gewebe, das in einem bestimmten Jahr entsteht, trägt den Stempel dieses Jahres mit sich herum — ungefähr so, wie man einer Handschrift ansieht, aus welcher Zeit ein Zettel stammt. Untersucht wurden 28 Achillessehnen von Menschen der Jahrgänge 1945 bis 1983 (Heinemeier u. a. 2013).
Der tragende Kern dieser Sehnen trug den Stempel der ersten rund siebzehn Lebensjahre. Wörtlich schreiben sie, das Gewebe werde während des Längenwachstums gebildet und danach im Wesentlichen nicht erneuert. In Muskelproben von vier dieser Spender sah man dagegen den kontinuierlichen Austausch, den man erwartet hätte. Eine zweite Arbeit derselben Gruppe fand erhöhten Kollagenumsatz ausgerechnet bei erkrankten Sehnen — und zwar schon Jahre, bevor die Beschwerden anfingen; bei den gesunden war der Kern über das ganze Erwachsenenleben unverändert geblieben (Heinemeier u. a. 2018).
Das gilt für den Kern der Achillessehne und nicht für jedes Bindegewebe deines Körpers. Sehnenscheiden, Faszienschichten und das lockere Bindegewebe verhalten sich anders, und dieselbe Arbeitsgruppe hält ausdrücklich fest, dass Training Sehnen durchaus dicker werden lässt. Für diesen einen, sehr speziellen Gewebeteil ist die Richtung aber deutlich, und sie passt nicht zu dem, was ich über Yin Yoga oft lese: dass da unten drin über Wochen und Monate wirklich etwas anderes wird, wenn man nur regelmäßig genug zieht.
Bei Paul Grilley, nach dessen Ansatz ich unterrichte, geht es genau deshalb weniger ums Verlängern als ums Reizen. Er fragt bei jeder Haltung zuerst, was dein Knochenbau überhaupt zulässt — und wenn du wissen willst, warum das für manche Menschen bedeutet, dass ein Knie einfach oben bleibt, dann steht das hier: Warum kann ich nicht im Schneidersitz sitzen?
Dazu kommt eine zweite Sache, die den Zeitraum betrifft. Wenn Sehnengewebe belastet wird — gemessen wurde das nach richtigem Training, nicht nach ruhigem Dehnen —, steigt die Kollagenbildung, erreicht ihren höchsten Wert etwa 24 Stunden danach und bleibt rund drei Tage erhöht. Der Abbau steigt ebenfalls, erreicht seinen Höhepunkt aber früher: Für etwa 18 bis 36 Stunden wird mehr abgebaut als neu gemacht, danach dreht das für bis zu 72 Stunden ins Plus (Magnusson, Langberg & Kjaer 2010). Ob eine ruhige Yin-Einheit überhaupt einen Reiz in dieser Größenordnung setzt, hat meines Wissens niemand gemessen. Es ist der einzige physiologische Anhaltspunkt für Pausentage, den ich kenne, und ein schwacher.
„Aber ich werde doch beweglicher“
Wirst du wahrscheinlich auch. Der Weg dahin ist bloß ein anderer, als man annimmt.
Kennst du das, wenn du zum dritten Mal beim selben Zahnarzt sitzt und es plötzlich halb so schlimm ist wie beim ersten Mal? Der Bohrer ist derselbe. Du bist ein anderer.
Schon 1996 hat eine Gruppe um Peter Magnusson sieben Menschen drei Wochen lang dehnen lassen und danach zweierlei gemessen. Wurde bis zum gleichen Kniewinkel gedehnt wie vor dem Training, hatten sich Steifigkeit, Energie und Drehmoment nicht messbar verändert — das Gewebe verhielt sich mechanisch genauso wie vorher. Der Winkel bis zur Schmerzgrenze wurde trotzdem größer, und mit ihm stiegen Drehmoment und Energie entsprechend an. Die Teilnehmer ertrugen also mehr Zug. Am Gewebe selber hatte sich dafür nichts geändert. Die Schlussfolgerung im Original: erhöhte Dehnungstoleranz, keine Veränderung der mechanischen oder viskoelastischen Eigenschaften (Magnusson u. a. 1996).
Vierzehn Jahre später hat Magnusson gemeinsam mit Cynthia Weppler die Literatur dazu durchgesehen und kam zum selben Bild: Was sich nach einer einzelnen Einheit und nach Programmen von drei bis acht Wochen an Beweglichkeit ändert, gehe auf verändertes Empfinden zurück. Was bei Programmen über acht Wochen passiere, sei damals noch nicht untersucht gewesen (Weppler & Magnusson 2010). Eine Übersichtsarbeit von 2018 über 26 Studien kam zum selben Schluss: Anpassungen an Dehnprogramme unter acht Wochen fänden überwiegend auf sensorischer Ebene statt (Freitas u. a. 2018).
Diese Lücke ist inzwischen teilweise geschlossen, und das gehört fairerweise dazu. Eine griechische Arbeit hat jugendliche Volleyballspielerinnen zwölf Wochen lang fünfmal pro Woche dehnen lassen und dabei durchaus strukturelle Veränderungen an der Muskelarchitektur gefunden (Panidi u. a. 2021). Und ein Konsenspapier von zwanzig internationalen Forschenden hält seit 2025 fest, dass langfristiges Dehnen die Muskelsteifigkeit senkt, wobei die Fachleute gleich dazuschreiben, dass weniger Steifigkeit nicht in jeder Lebenslage wünschenswert ist (Warneke u. a. 2025). Nur: Fünfmal die Woche über zwölf Wochen an einer einzigen Muskelgruppe — das hat niemand, der zweimal die Woche Yin übt. Für den Bereich, um den es hier geht, halte ich die sensorische Erklärung weiter für die tragfähigere.
Verändertes Empfinden klingt nach weniger, als es ist. Wenn dein System eine Dehnung nicht mehr als Bedrohung liest und deshalb loslässt, dann ist das keine Einbildung, das ist genau die Arbeit. Sie passiert nur woanders, als man vermutet — irgendwo zwischen dem, was du wahrnimmst, und dem, was dein Körper daraus macht. Und damit sind wir wieder bei dem System, das noch am selben Abend antwortet.
Was die Dosis angeht, ist die Forschung sich allerdings uneinig. Eine große Übersichtsarbeit von 2024 über 77 Studien fand zwar, dass Dehnprogramme ab zwei Wochen Dauer den Bewegungsumfang zuverlässig vergrößern, konnte aber weder für die insgesamt gedehnte Zeit noch für die wöchentliche Häufigkeit einen Zusammenhang mit der Größe des Effekts finden (Konrad u. a. 2024). Wenn du gehofft hast, dass irgendwo eine saubere Dosis-Wirkungs-Kurve herumliegt, aus der man deine Wochenzahl ablesen kann: Die hab ich nicht gefunden. Auch nicht bei den Leuten, die das seit Jahrzehnten messen.
Die zwei Zahlen, die ich dir mit Quelle nennen kann
Es gibt zwei kontrollierte Studien, die speziell Yin Yoga in einer festgelegten Dosis geprüft haben, und sie kommen von verschiedenen Seiten.
Die lettische kennst du schon: einmal 120 Minuten über zehn Wochen. Die schwedische ist die bekanntere. 105 gestresste Erwachsene zwischen 40 und 65, randomisiert auf drei Gruppen. Die eine Gruppe übte zweimal pro Woche 60 Minuten Yin Yoga über fünf Wochen, dazu kam für beide Yoga-Gruppen eine tägliche zehnminütige Atemübung zu Hause. Die zweite Gruppe bekam zusätzlich 30 Minuten Achtsamkeit und Psychoedukation, die dritte stand auf einer Warteliste (Daukantaitė u. a. 2018).
In beiden Yoga-Gruppen sanken gegenüber der Kontrollgruppe das Peptidhormon Adrenomedullin — ein Blutwert, der Jahre vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansteigt und mit Stress zusammenhängt —, die Angst und die Schlafprobleme deutlich. Beim selbstberichteten Stress und bei der Depressivität war der Unterschied dann aber nur in der Gruppe mit dem Achtsamkeitsanteil abzusichern. Yin Yoga allein hat das in dieser Untersuchung nicht geschafft. Das steht in den deutschen Zusammenfassungen, die ich gelesen hab, meistens nicht dabei.
Die Autorinnen und Autoren nennen ihre Grenzen selbst, und zwar deutlich: In der reinen Yin-Gruppe stiegen überdurchschnittlich viele aus, und wer ausstieg, hatte zu Beginn mehr Stress angegeben. Die Teilnehmenden waren überwiegend Frauen, überwiegend gut gebildet, und sie hatten sich auf eine Zeitungsanzeige gemeldet. Eine Placebo-Bedingung gab es nicht.
Keine der beiden Studien hat je zwei Dosen gegeneinander getestet. Beide haben eine Dosis ausprobiert und geschaut, was passiert. Es gibt also einen Korridor, in dem etwas gemessen wurde — zwischen einmal zwei Stunden und zweimal einer Stunde die Woche. Es gibt keine Untersuchung, die sagt, welche Zahl darin die bessere ist. Wenn dir jemand eine Wochenzahl nennt, mich eingeschlossen, kommt sie aus diesem Korridor oder aus dem Bauch.
Der Befund, der gegen meinen eigenen Kurs spricht
In den USA lief über ein Jahr eine Untersuchung mit 171 Menschen mit metabolischem Syndrom, die restauratives Yoga — also die noch ruhigere Verwandtschaft von Yin — gegen ein normales Dehnprogramm stellte. Gemessen wurden unter anderem der Cortisolverlauf über den Tag, für den es vollständige Daten von 136 Teilnehmenden gab, und das wahrgenommene Stresserleben. Nach sechs Monaten hatte die Dehngruppe die niedrigeren Cortisolwerte beim Aufwachen und beim Zubettgehen, und nach einem Jahr auch das deutlicher gesunkene Stresserleben (Corey u. a. 2014).
Restauratives Yoga ist nicht Yin Yoga, die Haltungen sind stärker gestützt und der Zug aufs Gewebe fehlt weitgehend, insofern misst diese Studie nicht genau mein Fach. Aber sie ist die größte und sauberste, die ich in der Nachbarschaft kenne, und sie fiel gegen die ruhige Variante aus. Die Forschenden vermuten selber, dass der Zusammenhalt in den lebendigeren Dehnkursen eine Rolle gespielt haben könnte.
Ich erzähl das, weil „wer heilt, hat Recht“ für mich keine Werbezeile ist, sondern ein Maßstab, der auch gegen mich laufen darf. Wenn dir zweimal die Woche zwanzig Minuten Dehnen im Wohnzimmer mehr hilft als mein Kurs, dann mach das. Das ist mein Ernst.
Warum ich irgendwann aufgehört hab zu zählen
Ich bin vor über zwanzig Jahren mitten in der Nacht in einer Panikattacke aufgewacht, und die Jahre danach hab ich damit verbracht, auf Teufel komm raus weiter zu funktionieren. Das ist keine Metapher, das war Programm. Ich hatte Listen. Ich hatte Vorsätze. Und als ich mit Yoga anfing, hatte ich freilich auch eine Zahl im Kopf, wie oft ich das machen müsste, damit es endlich wirkt.
Was mein Leben verändert hat, war der Punkt, an dem ich aufgehört hab, es erzwingen zu wollen. Erst dann wurde es entspannter, und zwar spürbar. Mit der Zahl hatte das gar nichts zu tun. Das ist der Grund, warum ich bei der Frage nach der Häufigkeit inzwischen so hartnäckig zurückfrage — weil „wie oft muss ich“ oft genau die Denkweise ist, aus der man mit Yin Yoga eigentlich rauswill. Ein Übungsplan, den du abarbeitest wie einen Termin beim Finanzamt, weil er sonst nicht wirkt, ist kein guter Übungsplan, egal wie richtig die Zahl darin ist.
Was in meinen Stunden am häufigsten hilft, wenn Menschen mit dieser Frage kommen:
- Du darfst mit einmal in der Woche anfangen und einfach schauen, wie du dich danach fühlst. Das ist eine ganze Praxis. Wirklich.
- Zwanzig Minuten zu Hause an einem Abend, an dem du sonst gar nichts gemacht hättest, dürfen mehr zählen als die 90-Minuten-Einheit, zu der du dich hinschleppst.
- Wenn du merkst, dass du nach der Stunde regelmäßig ruhiger bist, dann üb ruhig öfter. Da brauchst du keine Zahl von mir für.
- Und wenn du zwei Wochen ausfällst, fängt nichts von vorne an. Da verfällt nichts, jedenfalls nichts, was ich beobachten könnte.
Wann es kein Dosis-Problem ist
Eine Grenze, die mir wichtig ist. Wenn Schmerz sticht, brennt oder elektrisch wird, wenn er nach der Stunde bleibt oder nachts schlimmer ist, dann geht es nicht mehr um die Dosis. Dann gehört das angeguckt, ärztlich oder physiotherapeutisch. Dasselbe gilt, wenn in der Stille regelmäßig Zustände hochkommen, die dich überfordern — Yin Yoga kann dabei ein guter Begleiter sein, aber es ersetzt keine Therapie, und ich sag das als jemand, dem Yoga sehr geholfen hat.
Bei sehr beweglichen Gelenken, also wenn du dich schon immer weiter falten konntest als alle anderen, verschiebt sich die ganze Frage. Da wird der Halt der interessante Teil der Arbeit; weiterkommen kannst du eh schon. Sag mir das bitte vorher, dann bauen wir die Haltungen anders auf.
Wenn du es mit anderen zusammen ausprobieren willst
Mein Abendkurs in Hamburg-Barmbek läuft dienstags von 19:45 bis 21:15 Uhr, acht Termine, Start ist der 3. November 2026. Acht Termine deshalb, weil der GKV-Leitfaden Prävention für zertifizierte Kurse mindestens acht aufeinander aufbauende Einheiten verlangt — und ausdrücklich nicht, weil bei acht irgendwas Magisches passieren würde. Wie das mit der Krankenkasse funktioniert, hab ich hier auseinandergenommen: Wird Yin Yoga von der Krankenkasse bezahlt?
Wenn du lieber erst mal allein schauen willst, ob dir das überhaupt liegt: Es gibt von mir eine Einheit als Video, ganz ohne Ansagen, bei der du dein eigenes Tempo behältst — warum da niemand spricht, steht hier.
Und wenn du Fragen hast, frag mich bitte gerne immer. Ich freu mich zu hören, wie es dir damit ergangen ist.
Ein lieber Gruß, Jan
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich als Anfängerin Yin Yoga machen?
Einmal pro Woche ist ein guter Anfang. Die beiden Zahlen, für die ich Studien gefunden habe, liegen bei einmal 120 Minuten und bei zweimal 60 Minuten pro Woche — verglichen hat die beiden Dosen aber nie jemand. Am Anfang geht es weniger um die Frequenz. Da geht es darum, dass du überhaupt ein Gefühl dafür bekommst, wo bei dir Dehnung aufhört und Widerstand anfängt. Dafür braucht es Wiederholung, aber keinen Plan mit Häkchen.
Kann man Yin Yoga jeden Tag machen?
Prinzipiell ja, und für viele Menschen ist eine kurze tägliche Einheit angenehmer als eine lange wöchentliche. Der einzige physiologische Einwand, den ich kenne, betrifft die Erholung des Gewebes: Nach Belastung wird für etwa 18 bis 36 Stunden mehr Kollagen abgebaut als neu gebildet, bevor die Bilanz ins Plus dreht. Gemessen wurde das allerdings an richtigem Training. Ob ruhiges Dehnen überhaupt in die Nähe kommt, weiß ich nicht. Wenn du täglich am äußersten Rand deiner Beweglichkeit arbeitest, würde ich einen Pausentag einlegen. Wenn du täglich in gemäßigten Haltungen liegst, eher nicht.
Reicht einmal pro Woche?
Für den Zustand, in den du nach der Stunde kommst: ja, der stellt sich auch beim ersten Mal ein. Für eine dauerhafte Veränderung von Beweglichkeit oder Grundanspannung ist einmal wöchentlich wenig, und ehrlich gesagt kann dir niemand sagen, wie viel es genau bräuchte — die große Übersichtsarbeit von 2024 findet zwischen wöchentlicher Häufigkeit und Effektgröße keinen Zusammenhang.
Wie lange sollte eine Einheit sein, reichen 15 Minuten?
Zwei, drei Haltungen zu je drei bis fünf Minuten sind bei mir in den Stunden eine vollständige kleine Praxis. Belegen kann ich die Zahl nicht. Das ist reine Erfahrung aus dem Raum. Für den Übergang in den ruhigeren Zustand braucht der Körper allerdings Zeit, und die ersten Minuten gehen oft fürs Ankommen drauf. Unter zwanzig Minuten wird es nach meinem Empfinden knapp, ab dreißig hat es Luft.
Ab wann merke ich was?
Den veränderten Zustand nach der Stunde merkst du sofort — das war in der lettischen Untersuchung nach jeder einzelnen Einheit messbar. Beim Bewegungsumfang ist die Antwort unschärfer, als man denkt: Die große Meta-Analyse hat nur Programme ab zwei Wochen Dauer eingeschlossen und findet über alle hinweg zuverlässige Zuwächse, aber keinen Zusammenhang zwischen Programmdauer und Effektgröße. Wann es anfängt, ist damit nicht beantwortet. Und die Zahlen, die man im Netz findet — 25 Prozent weniger Cortisol nach acht Wochen und Ähnliches —, hab ich nirgends mit einer Quelle hinterlegt gefunden.
Was mache ich an den Tagen dazwischen?
Nichts müssen. Wenn du magst, eine einzelne Haltung, die dir gerade guttut, oder ein paar Minuten langsames Ausatmen im Sitzen. Und wenn Bewegung ansteht, spricht überhaupt nichts dagegen — Yin und Krafttraining oder Laufen vertragen sich gut, das ist die andere Hälfte davon.
Ich bin sehr beweglich. Ist Yin Yoga dann überhaupt sinnvoll?
Ja, aber anders. Bei ausgeprägter Beweglichkeit kommst du in Haltungen schnell in Bereiche, in denen die Gelenke wenig eigenen Halt haben, und der Reiz, noch weiter zu gehen, ist groß. Da arbeiten wir mit weniger Reichweite und mehr Stütze. Sprich mich bitte vorher an, und bei diagnostizierter Hypermobilität hol dir am besten die Einschätzung deiner Ärztin oder Physiotherapeutin dazu.
Quellen
- Somere K, Munkevics M, Krams R, Rača G, Luoto S, Krams I: The effect of yin yoga intervention on state and trait anxiety during the COVID-19 pandemic. Frontiers in Psychiatry 2024;15:1345455. Volltext
- Heinemeier KM, Schjerling P, Heinemeier J, Magnusson SP, Kjaer M: Lack of tissue renewal in human adult Achilles tendon is revealed by nuclear bomb 14C. FASEB Journal 2013;27(5):2074–2079. Volltext
- Heinemeier KM, Schjerling P, Øhlenschlæger TF, Eismark C, Olsen J, Kjær M: Carbon-14 bomb pulse dating shows that tendinopathy is preceded by years of abnormally high collagen turnover. FASEB Journal 2018;32(9):4763–4775. Abstract
- Magnusson SP, Langberg H, Kjaer M: The pathogenesis of tendinopathy: balancing the response to loading. Nature Reviews Rheumatology 2010;6(5):262–268. Abstract
- Magnusson SP, Simonsen EB, Aagaard P, Sørensen H, Kjaer M: A mechanism for altered flexibility in human skeletal muscle. Journal of Physiology 1996;497(1):291–298. Volltext
- Weppler CH, Magnusson SP: Increasing muscle extensibility: a matter of increasing length or modifying sensation? Physical Therapy 2010;90(3):438–449. Volltext
- Freitas SR, Mendes B, Le Sant G, Andrade RJ, Nordez A, Milanovic Z: Can chronic stretching change the muscle-tendon mechanical properties? A review. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 2018;28(3):794–806. Abstract
- Panidi I, Bogdanis GC, Terzis G, Donti A, Konrad A, Gaspari V, Donti O: Muscle Architectural and Functional Adaptations Following 12-Weeks of Stretching in Adolescent Female Athletes. Frontiers in Physiology 2021;12:701338. Volltext
- Warneke K, Thomas E, Blazevich AJ u. a.: Practical recommendations on stretching exercise: a Delphi consensus statement of international research experts. Journal of Sport and Health Science 2025;14:101067. Abstract
- Konrad A, Alizadeh S, Daneshjoo A u. a.: Chronic effects of stretching on range of motion with consideration of potential moderating variables: A systematic review with meta-analysis. Journal of Sport and Health Science 2024;13(2):186–194. Volltext
- Daukantaitė D, Tellhed U, Maddux RE, Svensson T, Melander O: Five-week yin yoga-based interventions decreased plasma adrenomedullin and increased psychological health in stressed adults: A randomized controlled trial. PLOS ONE 2018;13(7):e0200518. Volltext
- Corey SM, Epel E, Schembri M u. a.: Effect of restorative yoga vs. stretching on diurnal cortisol dynamics and psychosocial outcomes in individuals with the metabolic syndrome: the PRYSMS randomized controlled trial. Psychoneuroendocrinology 2014;49:260–271. Volltext
Jan Wolk
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